DruckenInhalt
2.10.17 23:08 Alter: 109 Tage

Geheimdienst auf Burg Waldeck im Boogiefieber

Rubrik:

 

23.9.2017    B K A

Wir haben durchgezählt, und daher darf dieses Sprachbild sein: So viele Klinken hat der Kulturrat nicht, die sich die gespielten Solis des Trios wechselweise in die Hand gaben!

Welch eine Spielfreude, welche Raffinesse der Harmonien und welches Tempo — Mario Adlers Rhythmusspiel erinnerte stilistisch manchmal kurz an Danny Weiss, war aber doch von mehr Wärme und Herzlichkeit geprägt. Die Finger trafen präzise und es wirkte dennoch gleichermaßen ‚verspielt’, in den ruhigen Momenten auch zärtlich-romantisch. Marc Brenken schaffte es, das Kulturratklavier wie ein „Toy-Piano“ klingen zu lassen, im nächsten Moment lieferte er eine „Boogie’n’Ragtime-Variante des Gypsyswing. Und der wie entfesselt aufspielende Christoph König erweiterte mit seinem sofort erkennbaren, individuellen Geigensound den „100-Min.-Kurs in Gypsyjazzerweiterung“ um zum Teil Western- und Rootsmusikklänge.

„Sweet Georgia Brown“ z.B. hören wir im Kulturrat etwa 15x im Jahr, das Trio BKA präsentierte die Fassung mit den meisten Tönen in den üblichen 6einhalb Minuten Lauflänge des Stückes — befreit von allen Zwängen des Vertrauten war es eine passende Schmuckbrosche am stilistischen Gewand der Band.

Alle die nicht da waren: Ihr habt echt was verpasst!

 

29.9.2017    Peter Braukmann

Willkommen zum intimen, privaten „Wohnzimmerkonzert“, mitten im Kneipenfoyer des Kulturrates, vor einer Handvoll lauschender Zuhörer*Innen; vis-a-vis, nah, direkt, ohne techn. Verstärkung, wun-der-bar! Wer so was macht? Peter Braukmann — mit Bernd Goymann als „Schnappsack“-Duo bekannt, auf Burg Waldeck zuhause, Musikmanager (Rillenschlange) von u.a. Zoë Conway, immer umtriebiger Freigeist, intelligenter Beobachter von politischen und menschlichen Tagesgeschehnissen, Texter in Kästnerscher Qualität.

Mit Anekdoten aus 40 Jahren Musikerleben angereichert präsentierte er mit rauer Stimme im Sinne des Wortes Lied-gut. Der 6saitiger als Begleitinstrument wird auch mal zugunsten einer a-capella-Nummer beiseite gelegt, dafür liefert das Publikum den Rhythmus — ein klassischer Liedermacherabend, der viel zu schnell zu Ende ging!

 

30.9.2017    Boogiemen’s Friends

Es war etwa 1990, als ich ein Konzert von Bob Dylan besuchte, der so dermaßen stoned war, dass es für uns, das Publikum, zum großen Sport wurde, spätestens nach der zweiten Strophe zu erkennen, um welches Lied es sich eigtl. handelte, welches ‚his Bobness’ sang und spielte.

Bitte ersetzen Sie nun „stoned“ durch „pure Absicht“ und Sie sind beim Konzert des „Boogiemen’s Friends-Quartett“. Das spielt im wesentlichen Boogie Woogie — und das „trifft“ dann auch mal Stücke, denen man ihr diesbezügliches Potenzial nicht zugetraut hätte, wie z.B. „Route 66“, den „Midnight Special Blues“, „Sweet Home Chicago“ oder „Corinna Corinna“. KÖSTLICH! Pures Vergnügen! Für Ohren und Augen gleichermaßen.

Diese vier jungen, agilen, sauschnellen Musiker aus Bamberg brachten bei ihrem Kulturrat-Debut im ganz knapp ausverkauftem Haus die volle Breitseite an Möglichkeiten, wie diese Musik sein kann. Gerne auch vierhändig am Klavier. Oder mit Bluesharp und Gesang. „I wanna be like you“, die im Original schon grandiose Nummer aus dem Dschungelbuch, gewann in der Boogiemen’s Friends-Version noch mal an Dynamik und Dichte. Nicht zuletzt auch durch die fast 8-minütige Drumsoloeinlage mittendrin. Wir sind jetzt schon gespannt, wie sich die Antwort von Thomas Scheytt anhört, der am 14.10. bei uns zu Gast sein wird.

Und als nach deutlich über zwei Stunden Musik und Showeinlagen auch das 2. Set beendet, die Zugaben gespielt und der Applaus verklungen war, gab es nur eine Meinung: Grandios! Wiederkommen!