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14.11.17 13:49 Alter: 4 Tage

Kraftwerk im Orient

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Von den ersten Tönen an beeindruckte der Saxophonsound von Jan Klare. Anklänge an seinen norwegischen Namensvetter Jan Garbarek und dessen LP „Path & Prints“ waren in der Phrasierung vorhanden (was ja kein schlechter Hintergrund ist), vor allem bei „Sizilienne“, dem 3. Stück des Abends. Aber doch absolut eigenständig, wie er immer wieder auf solistischen ‚Pfaden und Spuren’ unterwegs war oder sein rhythmisches Spiel im Verbund mit den beiden Bandkollegen als Teamplayer einfügte. Ahmet Bektas präsentierte an der Oud (oder Ud), einem der Laute verwandten Instrument aus dem vorderen Orient, die breite Soundpalette des in diesem Fall 11-Saiters wie seine persönliche Könnerschaft gleichermaßen — von rauh-rasant bis sanft-swingend. Das Trio vervollständigte Fetih Ak als percussiver Handtrommler auf „Bedir“ (einer Rahmentrommel), afrik. „Daboka“ und diversen anderen Klangerzeugern. Auch er als Solist unglaublich gut und gerne im mindestens 32tel-Zeitraffer unterwegs.

Als Überschrift des Abends wäre „Begegnungen“ passend, denn er brachte wieder einmal den gelungenen Beweis, wie nah beieinander das Türkische und Jiddische, Folk, Klezmer und Jazz, das Klagende und Fröhliche liegen, auf wie vielen Wegen sich Herkunft und Ziel begegnen. Und in BEgegnung steckt auch ENTgegnung als etymologische Spielart, und es war das letzte Stück vor der Pause, welches diesen Gedanken produzierte. „Sur“ bot Platz für jeden der drei, eigene Wege zu gehen —  startend an einem gemeinsamen Ort der Begegnung klang es manches Mal, als würden drei Stücke zugleich gespielt, mit einem kurzen Seitenblick auf das Hauptthema, den roten Faden, um nach und nach mit traumwandlerischer Sicherheit zurückzukehren an einen gemeinsamen, den Ausgangs- und Endpunkt.

Und zwischendrin wehten sanft Walzerklänge, Erinnerungen an Cohens ‚Hallelujah’ wachrufend durch, und die kurzen, präzisen und geschliffen scharfen Saxriffs zeigten eine ungeahnte Kraftwerk-Nähe. Wenn man es nicht live gesehen und gehört hätte …

Klare / Bektas / Ak, im Rahmen der Anne Frank Kulturwochen, waren eine wunderbare Bereicherung und Erfahrung. Danke für einen tollen Abend.